FAQ
Erdwärme ist die im Erdinneren gespeicherte Wärme. Je nach Tiefe unterscheiden sich die Temperaturen stark: Durchschnittlich steigt in Deutschland die Temperatur um 3 Grad Celsius pro 100 Meter Tiefe. Im Erdkern werden Temperaturen von über 5.000 Grad Celsius vermutet.
Der größte Teil der Wärme im Untergrund hat sich bei der Entstehung der Erde vor rund 4,6 Milliarden Jahren gebildet und ist bis heute vorhanden. So strömt aus dem Erdkern ständig Wärme zur Oberfläche. Pro Tag strahlt die Erde etwa viermal mehr Energie ab, als wir Menschen verbrauchen. Trotz andauernder Abstrahlung in den Weltraum wird der Wärmevorrat nicht aufgebraucht, da ein großer Teil der Wärme laufend durch den natürlichen Zerfall radioaktiver Stoffe tief in der Erde erzeugt wird.
Theoretisch ist Erdwärme an jedem Ort der Erde verfügbar. Ob eine wirtschaftliche Erschließung der Energie aus dem Untergrund möglich ist, muss für jeden Standort einzeln untersucht werden.
Erdwärme ist rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr verfügbar. Im Gegenteil zu anderen erneuerbaren Energiequellen wie Solar- und Windkraft liefert die Geothermie unabhängig von Klima, Tages- und Jahreszeiten. Das macht die Erdwärme grundlastfähig und hilft, große Mengen an klimaschädlichen Emissionen einzusparen.
Um die Erdwärme zu erschließen, werden Tiefbohrungen benötigt. An der Oberfläche kann die Erdwärme dann über Fernwärmeleitungen zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern transportiert werden.
Um weiter unabhängig von Erdgas zu werden, möchten wir unter anderem herausfinden, ob in Zukunft die Erdwärme zur CO2-neutralen Wärmeversorgung der Stadt genutzt werden kann.
Im Rahmen unseres Erdwärme-Projekts soll geklärt werden, ob die Gewinnung von Erdwärme in Nürnberg technisch und für die Umwelt unbedenklich realisierbar ist, welches für den geologischen Untergrund optimal geeignete System eingesetzt werden kann und wo sich die günstigsten Standorte befinden. Bei der Erkundung und Nutzung tiefer Geothermie arbeiten wir mit renommierten Experten zusammen.
Das Erdwärme-Projekt der N-ERGIE ist komplex. Allein die Untersuchung des Erdwärme-Potenzials für Nürnberg kann mehrere Jahre dauern. Bis es überhaupt mögliche Probebohrungen geben kann, sind umfangreiche Voruntersuchungen erforderlich. Diese haben wir bereits gestartet.
Im April 2024 war ein spezielles Flugzeug im Auftrag der NERGIE unterwegs und nahm mit Hilfe spezieller Ausrüstung die Beschaffenheit des Untergrunds unter die Lupe. Das Flugzeug hat das Stadtgebiet von Nürnberg und angrenzende Landkreise in einem Zeitraum von rund zehn Tagen linienförmig abgeflogen und vermessen. Mehr dazu können Sie in unserem Online-Magazin nachlesen.
Umfangreiche Voruntersuchungen und Analysen (unter anderem die Ergebnisse der geophysikalische Messflügen oder bereits bestehende geologische Kenntnisse der Region) haben ergeben, dass der Süden von Nürnberg am ehesten dafür geeignet scheint, um Erdwärme erschließen zu können.
Gemeinsam mit renommierten Geothermie-Experten arbeiten wir daher weiter daran, das Gebiet für eine mögliche Probebohrung näher zu untersuchen und einzugrenzen. Zunächst sind weitere umfangreiche Analysen und Bewertungen des Untergrunds notwendig. Unter anderem stehen seismische Messungen mithilfe von Spezialfahrzeugen an, für die wir aktuell Genehmigungen einholen.
Im Idealfall könnte nach unseren Schätzungen eine fünfstellige Zahl an Haushalten über Erdwärme mit CO2-freier Wärme versorgt werden.
Die Messung wurde von Bell Geospace geleitet und geflogen. Bell Geospace ist eines von weltweit drei Spezialunternehmen, die geophysikalische Erhebungen dieser Art durchführen.
Ziel der Messung war es, geophysikalische Informationen über die Eigenschaften des Gesteins unter der Erde zu sammeln.
Das Flugzeug war mit einer speziellen Technologie ausgestattet, die es ermöglicht, Schwerefelder zu erkennen und zu messen, die man sonst nicht sehen kann. Die Untersuchung sammelte Informationen zur Erstellung geologischer Karten. Diese Karten werden für die Bewertung des geothermischen Energiepotenzials in dem Gebiet verwendet. Ziel ist die Auffindung von geeigneten Gesteinen oder Schichten.
Die Untersuchungen stehen noch relativ am Anfang. Die Tiefe einer möglichen Bohrung ist abhängig von den Ergebnissen der Analyse des Untergrunds und der verwendeten Technik. Die tiefsten Erdwärme-Bohrungen in Bayern reichen bis in eine Tiefe von 5.000 Metern.
Ansprechpartner für das Erdwärme-Projekt:
Projektleiter Dominik Maier
E-Mail: erdwaerme-franken@n-ergie.de
Die Seismik-Messungen finden voraussichtlich in der Nacht statt. Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe: Zum einen wird der ohnehin starke Berufsverkehr in und um Nürnberg dadurch entlastet, was zugleich die Verkehrssicherheit erhöht. Zum anderen ermöglicht das ruhigere nächtliche Umfeld eine deutlich höhere Datenqualität, da zusätzliche Schwingungen, etwa durch LKW- oder Straßenbahnverkehr, weitgehend vermieden werden. Gerade dieser zweite Punkt ist für den Erfolg der Erkundung des Erdwärmepotenzials von Bedeutung.
Gebäude: Die 2D-Seismik ist ein seit vielen Jahrzehnten erprobtes, nicht-invasives Messverfahren, das bereits in zahlreichen Innenstädten wie etwa in München oder Münster erfolgreich eingesetzt wurde. Während der Messungen werden die Bodenschwingungen fortlaufend erfasst, um sicherzustellen, dass die Vorgaben der DIN 4150 zu Erschütterungen im Bauwesen eingehalten werden. Alle Schwingungen werden dokumentiert. Sollten die gemessenen Werte einen festgelegten Schwellenwert erreichen, der noch unterhalb dieser DIN-Norm liegt, wird die Intensität der Vibrationen umgehend reduziert.
Infrastruktur: Bereits im Vorfeld der 2D-Seismik werden die Messstrecken in enger Abstimmung mit den Behörden so ausgewählt, dass sensible Infrastruktur wie Versorgungsleitungen nicht beeinträchtigt werden kann. Auch die Kampfmittelfreiheit entlang der Strecke wird vorab sorgfältig geprüft und sichergestellt. Sollten nach den Seismik-Messungen Schäden an Straßen oder Gebäuden gemeldet werden, übernimmt das von der N-ERGIE beauftragte Unternehmen, die GEOPS GmbH, die Dokumentation und Erfassung der Schäden. Im Bergrecht gilt bei Seismik-Messungen die Beweislastumkehr. Diese bedeutet: Bei einem angezeigten Schaden muss der Auftraggeber darlegen, warum der Schaden nicht von den Messungen ausgegangen sein kann.
Tiere: Vor Beginn der Seismik-Messungen wird eine Artenschutzprüfung durchgeführt. Dabei wird geprüft, ob durch das Projekt artenschutzrechtliche Konflikte entstehen könnten, etwa während der Brut- oder Setzzeit. Die Prüfung benennt anschließend mögliche Schutz- und Vermeidungsmaßnahmen, an die sich die N-ERGIE halten muss. So kann es beispielsweise vorkommen, dass Messpunkte aufgrund von Fledermausquartieren verlegt oder ausgelassen werden müssen. Zudem werden Landwirtinnen und Landwirte sowie Pferdehalterinnen und -halter vorab informiert, damit sie ihre Tiere möglichst auf die Weide stellen können, da Nutztiere die Geräuschquelle in der Regel als weniger belastend empfinden, wenn sie sichtbar ist.
Die Vibro-Trucks, die entlang der Strecke messen, erzeugen in etwa eine Geräuschkulisse wie ein benzinbetriebener Rasenmäher. Der Lärm ist jedoch nur vorübergehend, da die Fahrzeuge an jedem Messpunkt jeweils nur für rund 100 Sekunden aktiv sind und danach direkt zum nächsten Punkt weiterfahren.
Die Vibrationen der Messfahrzeuge sind in der direkten Nähe der Fahrzeuge zu spüren. Die Vibrationen äußern sich durch ein spürbares Kribbeln in den Fußsohlen, wenn man neben den Fahrzeugen steht. Auch in Gebäuden, die direkt in erster Reihe an der Messstrecke stehen, können noch Vibrationen wahrnehmbar sein. Zusätzliche begleitende Messungen der Bodenschwingungen stellen sicher, dass die DIN 4150 (Erschütterungen im Bauwesen und Einwirken auf bauliche Anlagen) eingehalten wird. Bei kritischen Schwellenwerten wird die Intensität der Vibrationen umgehend reduziert.
Sobald die genaue Messstrecke feststeht, wird diese hier auf der Webseite bekannt gegeben. Zudem werden Sie im Vorfeld informiert, wenn Sie entlang der Messstrecke liegen.
Da die Messungen von den aktuellen Verkehrsverhältnissen abhängen, können die genauen Uhrzeiten im Vorfeld leider nicht festgelegt werden. Wir werden aber im Vorfeld über die Webseite, über Social Media und mit Postkarten die wenige Tage vor den Messungen entlang der Messstrecke verteilt werden, informieren.
Bei Fragen können Sie uns gerne eine E-Mail schreiben an: erdwaerme-franken@n-ergie.de.
Fragen zu Fernwärme?
Interessante Informationen rund um die Nürnberger Fernwärme finden Sie auf unserer Fernwärme-Seite.
Projektleiter Dominik Maier
erdwaerme-franken@n-ergie.de